Schadstoffe in Kinderwagen und Buggys

Für sein Kind möchte man nur das Beste und dieser Grundgedanke spielt auch beim Kauf eines neuen Kinderwagens eine Rolle. Neben Stil und Handhabung ist deshalb auch Qualität ein ausschlaggebendes Entscheidungskriterium. Qualität definiert sich nicht nur über hochwertige Werkstoffe und deren Verarbeitung, sondern vor allem über deren Unbedenklichkeit in Bezug auf die Gesundheit des Kindes.

Rollendes Schadstoffmobil

Kinderwagen oder Kinderbuggys, die mit dem Gütesiegel vom TÜV zertifiziert sind, werden den Mindestanforderungen in punkto Sicherheit gerecht. Allerdings gibt es kein verabschieSchadstoffe im Kinderwagendetes Zeichen für die Schadstoffbelastung in Kinderwagen oder verbindliche Richtlinien, weshalb für Produktuntersuchen bisher häufig die Grenzwerte für Kinderspielzeug als Orientierung dienten.

Denn kleine Kinder nehmen nicht nur Spielzeug in den Mund, sondern auch Teile des Kinderwagens. Deshalb werden bei Tests von Kinderwagen und Buggys durch unabhängige Institute (zum Beispiel Stiftung Warentest) schädliche Weichmacher, PAK oder bedenkliche Organozinnverbindungen in Produktteilen nachgewiesen. Diese chemischen Stoffe sind nicht unmittelbar gefährlich, aber komplett überflüssig. Werden diese Gifte über den Mund oder die Haut aufgenommen, können sie über lange Zeit gesundheitsschädlich sein. Schadstoffbelastet waren bei den unabhängigen Tests vorwiegend Schutzbügel, Griffe, Polster und Textilbezüge der Kinderwagen und Buggys.
Das sind Bestandteile, mit denen sowohl die Eltern als auch die Kinder schlußendlich in Berührung kommen werden. Bei den Eltern findet so die Übertragung durch das Schieben des Kinderwagens statt. Bei Babys wiederum kommt der Hautkontakt über die Hände, Arme oder das Gesicht mit dem Kinderwagen oder Buggy zustande. Z.B. kann es vorkommen, dass die Kleinen an einem Gurt herumkauen. Viele der Stoffe dünsten mit der Zeit aus und senden dabei starkriechende Gerüche aus. Dann riechen z.B die Griffe des Kinderwagens sehr stark. Durch Schweiß oder Speichel lösen sich die Gifte dann noch schneller heraus.

Schadstoffübersicht

Phthalate sind schädliche Weichmacher für Kunststoffe wie PVC oder Gummi. Zu finden sind Weichmacher in Kunststoffteilen und Regenhauben besonders jenen aus PVC. Weichmacher sind nicht sofort giftig, aber sie können Nieren und Leber schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen. Sie stehen auch in Zusammenhang mit verminderter Fruchtbarkeit bei Frauen nach einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2015. Der Einfluss von Phthalate auf die Hormone bei Jungen kann zusätzlich zu einer Verweiblichung führen.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – PAK sind ein Cocktail aus mehreren Hundert Einzelstoffen und sind in Gummis oder Kunststoffe zu finden. Weiche, schwarze Gummiteile, die besonders stark nach verbranntem Gummi riechen, sind besonders verdächtig. Diese Gifte können z.B. über den Speichel aufgenommen werden. Aber auch durch das Anfassen von Griffen und Schutzbügel gehen Stoffe durch die Haut und somit in den Körper. Das betrifft also nicht nur die Kinder, sondern wiederum auch die Eltern. PAK sind krebserzeugend (zum Beispiel Hautkrebs) und können auch auf die Fähigkeit der Fortpflanzung negative Auswirkungen haben. PAK werden die folgenden Nebenwirkungen nachgesagt: Entfettung der Haut, verursachen von Hautentzündungen, Hornhautschädigungen, Reizung von Atemwegen, Augen oder des Verdauungstrakts.

Organozinnverbindungen sind zinnorganische Verbindungen und sind besonders giftige Stoffe. Sie werden als Thermo- und UV-Stabilisatoren bei der PVC-Verarbeitung, Konservierungsmittel für wasserbasierte Farben und Lacke und als Desinfektionsmittel für Textilien, Leder und Papier eingesetzt. Organozinnverbindungen stören den Zellstoffwechsel und bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken kommt es zu Reizungen der Augen, Haut oder Atmungsorgane. Außerdem wurden Störungen des Hormonsystems und Nervenschäden wie Zittern beobachtet. Auch Krebs erregende Flammschutzmittel wie Chlorparaffine, die über die Muttermilch ins Baby übergehen und damit gefährlich werden, oder Formaldehyd konnten gefunden werden.

Wohlüberlegte Kaufentscheidung

Ein Kinderwagen ist eine der höchsten Investitionen bei einem Baby und sollte deshalb sehr gut überlegt sein. Wer auf Schadstoffe verzichten möchte, muss nicht sofort verzweifeln. Denn es gibt auch Hersteller in Deutschland, die schadstofffreie Kinderwagen und Buggys zu halbwegs verträglichen Preisen anbieten. Außerdem können abnehmbare Textilien gewaschen werden, was helfen kann raschen einen Teil der Gifte zu entfernen. Wenn man sich Sorgen macht, dass der Wagen belastet ist, dann sollte man auch darauf achten, dass das Kind möglichst keine Teile in den Mund nimmt und man sich die Hände wäscht, nachdem man den Kinderwagen oder Buggy geschoben hat.

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